Milan Skusa und Steffen Grütjen im Interview mit Wissenschaftskommunikation.de

Welche Erwartungen haben Menschen an Journalismus in Leichter und Einfacher Sprache – und wie kann Berichterstattung so gestaltet werden, dass sie im Alltag wirklich weiterhilft und leicht verständlich aufbereitet ist? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine qualitative Studie, die in Kooperation der Otto Brenner Stiftung und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) entstanden ist. Herausgegeben wurde sie von Steffen Grütjen (Projektkoordination), Prof. Dr. Friederike Herrmann (Projekleitung) und Milan Skusa.

In einem Interview mit dem Portal „Wissenschaftskommunikation.de“ (10. Februar 2026) stellten Grütjen und Skusa nun zentrale Ergebnisse vor. Grundlage der Untersuchung sind Interviews mit unterschiedlichen Zielgruppen, unter anderem mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen, mit Geflüchteten, die Deutsch lernen, sowie mit Personen mit geringer Literalität, die als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren tätig sind.

Deutlich wird: Entscheidend sind Auffindbarkeit, verständliche Sprache, zusätzliche Erklärungen und ein starker Bezug zur direkten Lebenswelt der Menschen. „Ganz häufig wurde ein serviceorientierter Journalismus mit alltagsnahen Fragen gewünscht: Wie fahren die Busse und Bahnen, wenn bei mir im Ort ein Streik stattfindet? Wie funktionieren Wahlen? Wie komme ich zum Wahllokal? Wer stellt sich zur Wahl? Gerade solche Informationen werden nicht flächendeckend in Leichter oder Einfacher Sprache aufbereitet“, sagt Steffen Grütjen.

Mit Blick auf bereits existierende Formate verweist Milan Skusa darauf, dass deren Potenzial oft noch nicht ausgeschöpft ist: „Die werden sehr gut angenommen – soweit sie bekannt sind.“ Häufig seien entsprechende Inhalte jedoch auf Webseiten schwer zu finden oder nur punktuell verfügbar. Aus Sicht der Forschenden braucht es daher neben neuen Angeboten auch wirksame Strategien, um Zielgruppen zielgerichteter zu erreichen.

Das vollständige Interview, durchgeführt von Inga Dreyer im Rahmen eines monatlichen Forschungsrückblicks, ist hier abrufbar.  

Foto: Wissenschaftskommunikation.de


Refenzierte Forschungsbeiträge (Open Access):
Grütjen, Steffen/Skusa, Milan (2025): „Was geschrieben wird, ist manchmal wie so ein Gummiband gezogen“. Leichte und Einfache Sprache im Journalismus aus Nutzer:innenperspektive. In: Medien & Kommunikationswissenschaft, 73. Jg., H. 3, S. 354–367. doi.org/10.5771/1615-634X-2025-3-354

Grütjen, Steffen/Herrmann, Friederike/Skusa, Milan (2025) (Hrsg.): Journalismus leicht verständlich. Berichterstattung für Menschen mit eingeschränkter Literalität. Frankfurt: Otto Brenner Stiftung. https://www.otto-brenner-stiftung.de/journalismus-leicht-verstaendlich/